updated 02.02.2006
Der Pampa, die Bulldogkopie aus Argentinien oder Der Pampa, ein politischer Versprecher? (von Andreas Eggeringhaus)
Um es vorweg zu nehmen, mit diesem Bericht werden mit Sicherheit nicht alle Geheimnisse dieser Schlepper gelüftet, ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich hiermit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Die Quellenlage zu diesem Thema ist sehr dürftig und beruht auf verschieden Berichten in spanischer Sprache sowie eigenen Beobachtungen. An Originaldokumente zu kommen oder Zeitzeugen zu befragen ist fast unmöglich. Das Politiker viel Versprechen und wenig davon halten, ist wohl nichts neues. Aber das ein Politiker etwas Versprach, was er nicht halten konnte, und doch einhielt, ist schon fast als Wunder zu bezeichnen. Esperanza, eine Stadt nahe Santa Fe Capital, war die erste argentinische Landwirtschaftskolonie und somit auch ein Sinnbild dafür, dass die Landwirtschaft eine unumstößliche Säule der argentinischen Wirtschaft war. Dort schlug der damalige General Präsident Juan Perón ein weiteres Kapitel der ewigen Novelle von Hass und Liebe zu den USA auf und genau dies war die Geburtsstunde des Pampa. In einer mitreißenden Rede, die Perón am 8. September 1948 dort anlässlich der Einweihung eines Bauerndenkmals hielt, erklärte er den USA den Handelskrieg. Gesagt getan, würde dies in Zukunft bedeuten, dass die Amerikaner, die Ihre Häuser bis dahin mit dem von Argentinien gelieferten Leinöl strichen, in Zukunft diese nach Argentinien bringen müssten... und so interpretierte man den in die Ferne gerichteten Blick der Statue des Bauerndenkmals, bereits als die Erwartung der Ankunft der amerikanischen Häuser. Einer der Anwesenden bemerkte, dass im Gegenzug die Argentinier, die bis dahin den Rohstoff zur Herstellung von Toilettenpapier aus Amerika bezogen, nun wohl ihre Hinterteile zwecks Säuberung nach Amerika bewegen müssten. Scherz beiseite, große Sorgen bereitete den Anwesenden die Tatsache, dass der Großteil der landwirtschaftlichen Maschinen amerikanischer Herkunft war und besonders Traktoren knapp waren. Es bedurfte treuer Anhängerschaft zur Partei der Peronisten um derartige Maschinen erwerben zu können. Darauf angesprochen verkündete der General Presidente: " Wir werden sie in unserem Land herstellen und in drei Monaten wird der erste einer großen Serie fertig sein und laufen." Natürlich fiel es schwer ihm das zu glauben, aber Perón hielt es ein.........

Zum damaligen Zeitpunkt wusste man noch nicht einmal welchen Traktor man produzieren wolle, aber das Versprechen war gegeben und so wurde eine Gruppe von Experten einberufen, welche die Route 9 von Buenos Aires bis Córdoba bereiste und in allen landwirtschaftlichen Einrichtungen Befragungen durchführte, welcher Traktor am besten funktioniere und am leichtesten zu kopieren sei. Die Wahl fiel mehrheitlich auf den Lanz Bulldog, welcher am besten für die argentinische Landwirtschaft aufgrund seiner Robustheit und Kraftstoffgleichgültigkeit (Dieselkraftstoff stand nicht in ausreichender Menge zur Verfügung) geeignet war. Als die Umfrage beendet war, hatte man bereits einen Großteil der Frist verbraucht und man entschied sich zwei dieser Schlepper aus Uruguay zu importieren. Einer von beiden wurde komplett zerlegt und die Einzelteile wurden diversen Industriebetrieben zur Nachfertigung übergeben. Trotzdem war es unmöglich die Frist einzuhalten. Weil jedoch das Ansehen Peróns auf dem Spiel stand, musste nun etwas geschehen. Also tauschte man einfach das Steigrohr des zweiten Bulldog gegen ein neues, selbst hergestelltes, mit dem Namen Pampa und dem Symbol der IAME (welches einen Zahnkranz mit zwei Flügen darstellt) versehenes Steigrohr aus und lackierte den Bulldog vom typischen "Lanz-Blau" in ein auffälliges Orange um.

Anschließend wurde der Schlepper mehrere Tage in Buenos Aires am Fuße des Obelisken, neben der argentinischen Flagge, vorgeführt. Perón hatte einmal mehr dem argentinischen Volk bewiesen, dass er seine Versprechen hält. Nachdem Peron durch seine Rede den Grundstein zur Herstellung eines argentinischen Traktors gelegt hatte wurde es erst mal still um dieses Projekt. Erst mit ausländischem Kapital konnte man eine Fahrzeugproduktion in Argentinien aufbauen. So wurde im August 1952 wurde ein Vertrag zwischen FIAT und der IAME zwecks Aufbau einer argentinischen Traktorenproduktion unterzeichnet. Fiat übernimmt die technische Leitung beim Aufbau der neuen Fabrik, in der Zukünftig der Pampa und der Fiat 55 produziert werden sollen. Am 07.10.1952 ist der erste echte PAMPA fertig, am 31.12.1952 kommt eine Vorserie von 15 Stück zur Auslieferung. Am 28.06.1954 läuft die Serienproduktion endlich an und die ersten Traktoren werden dem Handel übergeben. Doch bereits am 24.09.1954 wird das Werk an FIAT SOMECA Construcciones Cordoba (später umbenannt in FIAT Concord)verkauft. Im September 1955 wird die IAME durch den Sturz Perons in DINFIA umbenannt. Ab 1959 baute FIAT in diesem Werk auch Autos, am 10.10.1959 beschließt man deshalb bei DINFIA ein neues Traktorenwerk zu bauen, welches 1961 Werk an Perkins verkauft wurde. 1962 wurde die Traktorenproduktion einstellt. So nun noch ein paar Anmerkungen: Der Pampa wurde in zwei Versionen gebaut: T-01, entspricht dem D-1506 ab 1952 mit eckigen Kotflügeln und Tropenauspuff T-02, geänderte Plattform, Muschelkotflügel und angeblich soll er 60 PS haben Die Gussteile des PAMPA wurden offensichtlich von mehreren Gießereien bezogen (Ind. Gibelli, Metallurgica, usw.). Jedes Gussteil wie Zylinder, die Schwungräder usw. trägt einen Schriftzug vom Hersteller. Allein durch diese Tatsache ist kein PAMPA wie der andere. Wie bereits erwähnt wurde im September 1955 die IAME in DINFIA umbenannt, damit bekamen die Bulldogs das Steigrohr mit dem DINFIA Schriftzug, dies geschah etwa bei Fahrgestellnummer 2500. Bei dieser Umstellung wurden auch der T-02 aus der Taufe gehoben, neben den Muschenkotflügeln des Fiat-Someca Traktors wurden auch einige Detailänderungen vorgenommen, so z. B. an der Bremsanlage. Nach dem Verkauf des Werkes musste FIAT den Pampa offensichtlich im Lohn weiterbauen. Überhaupt sind die Fahrgestellnummern oder besser die produzierten Stückzahlen das größte Rätsel beim Pampa. Einige Quellen sprechen von ca. 3500 Stück andere von ca. 4500 Stück, in einem Bericht ist die Stückzahl mit 3760 im Zeitraum 1952-1962 angegeben. Vom T-02 sollen ca. 900 Traktoren hergestellt worden sein. Keine dieser Angaben ist zur Zeit bestätigt. Ob es sich beim Bau des Pampa um eine offizielle Lizenz handelte war ist auch fraglich, laut Kurt Häfner gab es aber auf jeden Fall Kontakte zu Lanz, man bezog auch Werkzeuge und Bauteile von den Mannheimern. Die Boschöler wurden zum Teil auch von der Maschinenfabrik Vögele Mannheim bezogen. (Hier schaltet sich mal kurz der webmaster ein. Es muss einfach Absprachen und Lizenzvergaben gegeben haben. Komplette Lanz-Getriebe in den ersten(?)Pampa-Bulldogs zeigen diesen Technologieexport ganz deutlich. Zu den Ölpumpen: laut einigen, leider schwer prüfbaren Quellen stammen die bei Lanz verbauten Boschöler(zumindest die der postwar Maschinen) von Vögele, allerdings mit Bosch-Typenschild. Nach der Produktionseinstellung der Glühkopfbulldogs bei Lanz und dem sich daraus ergebenen Nachfragerückgang, eventuell auch dem Lizenzauslaufen gab Vögele die Ölpumpen auch als eigene aus.)

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass bei der IAME auch Pkws, Motorräder und Kleinlastwagen hergestellt wurden, unter anderem auch eine Lizenzfertigung des "Wartburg" aus der ehemaligen DDR. Bei den Motorrädern handelt es sich um einen Nachbau der 98er DKW, die unter dem Namen Puma vertrieben wurde. An dieser Stelle möchte ich meinen Freund Winfried Simella danken, ohne dessen Spanischkentnisse dieser Bericht nicht zustande gekommen wäre.


Zum Schluss noch die technischen Daten des Pampa in Spanisch:
CARACTERISTICAS GENERALES DEL TRACTOR PAMPA
Peso Total 3500 Kg. Potencia Normal máxima a la polea 55 H.P. Potencia máxima barra de tiro 50 H.P.
VELOCIDADES
3 Velocidades en baja 3 Velocidades en alta 2 Velocidades hacia atrás
DESARROLLO
1» Marcha de Baja 3,8 km/h. 2» Marcha de Baja 5,1 km/h. 3» Marcha de Baja 6,8 km/h. Marcha atrás Baja 4,9 km/h 1» Marcha de Alta 12 km/h. 2» Marcha de Alta 16 km/h. 3» Marcha de Alta 22 km/h. Marcha atrás Alta 15 km/h.
DIMENSIONES GENERALES
Trocha 1.473 mm. Longitud Total 3.390 mm. Distancia entre Ejes 2.037 mm. Ancho Total 1.780 mm. Altura del Chasis 260 mm.
RODADOS
Delanteros: Neumáticos 7,50 x 20 Traseros: Neumáticos 13,50 x 28
CARACTERISTICAS GENERALES DEL MOTOR
Dos tiempos, monocilíndrico, en disposición horizontal. Semi-Diesel
Diámetro del pistón 225 mm. Carrera del pistón 260 mm. Cilindrada geométrica 10.388 cm3 R.P.M. mínima 350 R.P.M. máxima 750 Presión media efectiva 3,25 kg/cm2 Diámetro de la polea 500 mm.
Soweit der Bericht von Andreas


Nun sind natürlich viele Fragen noch offen. Das betrifft unter anderem die Unterschiede zwischen T01 und T02. Neben den erwähnten Muschelkotflügeln und der entsprechend geänderten Plattform, hatten wahrscheinlich alle T02 elektrische Pendelanlasser. In den wenigen Quellen wird die Leistung des T02 mit 60 PS angegeben und die Steigerung zum Vorgänger mit einer Drehzahlerhöhung begründet. Leider ist mir noch kein Pampa Besitzer begegnet, der dass durch eine Drehzahlmessung bestätigen konnte. Andreas besitzt auch einen T02 mit 60 PS und er vermutet, als Ursache für die Mehrleistung, eine geänderte Kraftstoffpumpe. An seinem Pampa beträgt der Pumpenkolbendurchmesser 8,5 mm, also 0,5 mm Übermass im Vergleich zum Postwar Lanz Bulldog. Letztlich führt das ja aber auch zu einer höheren Drehzahl, oder? Kollege Kevin Baumhold, ebenfalls Besitzer eines TO2 mit Muschelkotflügeln und DINFIA-Steigrohr, hat seinen Pampa mal mit dem IAME und dem Mannheimer Original verglichen und weitere Unterschiede in Form von Regler, Excenter und eine Daumenwelle mit vergrößertem Hub, also eine erhöhte Fördermenge, festgestellt. Bei einer 2006er Bulldogmesse hatte ich auch die Gelegenheit mit szenebekannten holländischen Händlern über die Pampas zu fachsimpeln. Sie vertraten u.a. die Meinung dass der Strom der Pampas auf den deutschen Oldiemarkt demnächst zur Neige gehen wird, was man aus Sicht des kritischen Kunden sicher als Verkäuferschnack durchgehen lassen könnte (obwohl besagte Holländer eher in der Ersatzteilfertigung aktiv sind)und das sie eine bessere Geldanlage als etwa der deutsche Nachkriegs-Glühkopf sein sollen. Sie untermauerten ihre Aussage mit der Darstellung der Preisentwicklung in den letzten 10 Jahren, worin sie den polnischen Ursus eindeutig positiv miteinbezogen. Der Preis für Mannheimer Bulldogs aus der Produktion nach ´45 ist bedingt durch die immer noch steigende Maschinenzahl dagegen eher rückläufig, auch wenn Annoncen in Fachjournalen, Internet etc oft etwas anderes suggerieren, Halb- und Volldiesel, speziell die großen Exemplare, eindeutig ausgenommen. Desweiteren halten sie das Pampavorkommen in Argentinien für ein relativ lokales Phänomen, da sie fast ausschliesslich im Umkreis um die Stadt Cordoba(?) auftauchen. Sie bezifferten die Gesamtproduktionszahl auf etwa 3500. Über die Qualität der Maschinen war eher schlechtes zu erfahren. Die rauhe Gussoberfläche wurde schon öfter erwähnt. Sie nannten jedoch auch die oft differierenden Maße diverser Bauteile, etwa Kolbenbolzen, Pleulbohrung, Kolbenringnuten oder die oben erwähnte Kraftstoffpumpe, was laut dem holländischen Experten am hohen (schnellen) Verschleiss der Komponenten liegt. Die ursprünglichen Maße und Passungen stimmen mit denen der Mannheimer Nachkriegsmaschinen überein. Möglicherweise waren die Darstellungen des Holländers etwas übertrieben. Ich habe jedenfalls versucht es möglichst vorsichtig und gegebenenfalls mit Fragezeichen darzustellen. Fest steht aber das auch Pampabesitzer, die wohl eher zu den Fans der argentinischen Marke zu zählen sind, Abweichungen von den ursprünglichen Mannheimerpassungen bestätigen. (siehe oben) Der Autor des Pampa-Artikel Andreas hat angesichts eines Pampa-Reglerschwungrades einer bestimmten argentinische Giesserei auf dem Teilemarkt Paaren/Glien gleich ein schlechtes Beispiel zur Hand wo die Wellenbohrung viel zu groß ausgeführt worden ist. Ich möchte aber unbedingt betonen das die von mir im letzten Abschnitt gemachten Ausführungen auf schwer prüfbaren Erfahrungen (die nat. subjektiv sind) fußen und keineswegs die Kaufentscheidung eines Hobbyeinsteigers in die eine oder andere Richtung beeinflussen sollen. Ich bekomme immer wieder Mails mit Anfragen nach Preisen und dem für und wieder für/gegen Ursus, Pampa, kleiner-/großer Vor- oder Nachkriegsbulldog. Pauschale Antworten gibts da nicht. Das ist einerseits fast eine Glaubens- und andererseits leider auch ne Geldfrage. Als Geldanlage wie oben dargestellt taugen sie meiner Meinung nach alle nicht(einige seltene Exemplare ausgenommen) Da gibt es lukrativere Möglichkeiten. Gott sei dank!
Ein schlagendes Beispiel das nicht nur die Polen "Leichenfledderei" praktiziert haben. Viele Pampas, besonders die der IMAE-Baureihe sind bis zur letzten Kurbelwellendrehung genutzt worden. Sustanziell wirklich gute Pampas sind selten, was aber nicht (nur) mit der Verarbeitungsqualität zu tun haben soll.